Die Geschichte der Fasnacht in Lörrach

Erfahren Sie mehr über die geschichtliche Entwicklung der Fasnacht in der Stadt Lörrach.

  • Die ältesten Zeugnisse

    Im kleinen Dorf Lörrach, um 1420 mit 250 bis 300 Einwohnern, noch 1650 mit kaum mehr als 500, wird bis zur Einführung der Reformation im Jahre 1555 sicher keine bedeutende Fasnacht stattgefunden haben. Und nach der Reformation wurde in den Orten, in denen die neue Religion eingeführt worden war, jegliches Fasnachtstreiben unterdrückt.

    Doch ganz fremd muss den ‚Inwohnern‘ des Oberamtes Rötteln und damit auch dem Dorf Lörrach die Fasnacht nicht gewesen sein, denn beim Generallandesarchiv in Karlsruhe gibt es im Aktenbestand des Oberamtes Rötteln-Sausenburg zwei Akten mit dem Betreff ‚Die Abstellung der Tänze und Lastereien an Fasnacht‘ von 1620 bzw. 1657. Also muss sich doch etwas an Fasnachtsbrauchtum aus vorreformatorischer Zeit erhalten haben. Das ist auch nicht verwunderlich, denn die nahe Stadt Basel hat schon immer ‚ihre Fasnacht‘ gehabt. Schliesslich wollten und mussten sich die geplagten Leute einmal im Jahr mit Lästereien unter der Narrenkappe oder mit Maske gegenüber der Obrigkeit Luft machen, feierten doch auch die ‚Herren‘ ihre Fasnacht. Gerade darüber können die Basler Bürger des Mittelalters ein Lied singen.

    Ausweislich der Archivalien im Lörracher Stadtarchiv, nämlich im Verkündigungsblatt für die Grossherzoglichen Bezirksämter Lörrach, Müllheim und Schopfheim von 1839 finden wir den ersten schriftlichen Hinweis auf eine Lörracher Fasnacht. Die Casino-Gesellschaft, welche im Jahr 1832 als Lesegesellschaft gegründet wurde, lädt da zu einem Maskenball ein, der am 10. Februar 1839 stattfinden soll. 1840 veranstaltet die Casino-Gesellschaft in der ‚Krone‘ einen weiteren Maskenball. Maskenanzüge von Herrn Levevre aus Basel seien am selben Tage im Lokal erhältlich. Es würde ein Nachtessen à 30 Kreuzer bei trockenem Tisch (also ohne Getränke) bereitgehalten.

    Die ersten schriftlichen Zeugnisse über eine Strassenfasnacht stammen dann aus dem Jahr 1860. Auf Sonntag, 18. Februar 1860 lädt das Comité der ‚Narhalla‘ zu einem grossen Maskenzug durch die Strassen der Stadt ein. Zwei Bettelmönche würden eine Sammlung durchführen, deren Erlös für das Lörracher Spital bestimmt ist. Und 1863 lädt die ‚Narhalla‘ zu einer Narrenversammlung in die ‚Lerche‘ ein sowie zu einem grossen Maskenball im ‚Hirschen‘.

    Diese Zeugnisse von ersten Lörracher Fasnachtsveranstaltungen sind vielleicht nur zufällig, wenn man bedenkt, dass es erst seit 1845 eine Lörracher Tageszeitung gibt (Oberländer Bote), die sicher nicht in allen Haushaltungen gehalten wurde. Möglicherweise sind solche Anlässe seinerzeit noch durch den städtischen Amtsboten ausgestellt worden und daher nicht schwarz auf weiss erhalten. Das lässt vermuten, dass Fasnachtstreiben auch schon vor 1832, dem Gründungsjahr der Casino-Gesellschaft, stattgefunden haben dürfte.

  • 1866 – der erste überlieferte Maskenzug

    Am 11. Februar 1866 fand ein grösserer Maskenzug statt, der in einer Zeichnung festgehalten ist. Auf der Zeichnung sind mehrere Fuss- und Wagengruppen dargestellt, u.a. Feuerwehr, Schützen, Bäcker und Markgräflerinnen. Ein Wagen zeigt ein Schild ‚Reise im Oberland‘. Dies könnte auch das Motto dieses ersten überlieferten Maskenzuges gewesen sein. Der Umzug wird angeführt von einem Reiter in der Kleidung der Badischen Revolution von 1848. Bei dieser Revolution, die vielen in Lörrach noch in reger Erinnerung gewesen sein dürfte, spielte die Stadt eine wichtige Rolle. Schliesslich war es hier, wo Gustav Struve im September 1848 die Deutsche Republik ausgerufen hatte und Lörrach zur provisorischen Hauptstadt machte. Das Häs der Gildenmeisterinnen und Gildenmeister der Narrengilde Lörrach im Stile der Revolution von 1848 soll an diesen ersten überlieferten Maskenzug der Stadt anknüpfen und an die revolutionäre demokratische Tradition unserer Stadt erinnern.

    1875 lesen wir wieder von einem Kinderball im ‚Hirschen‘, der im Anschluss an den Fasnachtsumzug stattfinden soll. Im Jahr 1885 lädt eine ‚Provisorische Narhalla Lörrach‘ zu einer Comitéwahl auf den 7. Februar in die ‚Krone‘ ein – ‚me hent emol e Fasnacht g’ha …‘ Ziel: es sollte auf Fasnacht wieder etwas geben. Nach Zeitungsberichten sind dazu 267 Narren im Saal erschienen und zwei Narren vor dem Saal. Vermutlich war der Saal überfüllt und es kam zu keiner Wahl. Einen Tag später wurden aber drei Narren in das Comité gewählt und nach entsprechenden Vorbereitungen wurde bereits eine Woche später, am Fasnachtssonntag, 15. Februar 1885, ab zwei Uhr nachmittags ein Maskenzug durchgeführt. Ein Jahr später tritt die Narhalla nicht mehr in Erscheinung. Die Lörracher Fasnacht hat sich dann wohl auf die Fasnachtskränzchen und Maskenbälle der etablierten Vereine beschränkt.

  • Der Turnverein Lörrach übernimmt die Strassenfasnacht

    1891 tritt der Turnverein Lörrach am Fasnachtssonntag, 8. Februar, mit einem Maskenumzug unter dem Motto ‚Emin-Pascha-Afrika-Expedition‘ in Erscheinung. Der Erlös ging zu Gunsten des Turnhallen-Baufonds. Eine ‚Negertruppe‘, Matrosen, Musiken, eine Kamelattrappe, Kanonen und ein Ozeandampfer seien zu sehen gewesen. Alle Fenster am Umzugsweg seien mit Damen garniert gewesen und an vielen Orten seien primitive Tribünen aufgebaut worden, wie in einer Grossstadt. 1892 dann wieder nur die üblichen Fasnachtsveranstaltungen der Vereine in den zahlreichen Sälen. Am Fasnachtssonntag, 12. Februar 1893, wurde vom Turnverein Lörrach dann wieder ein grosser Maskenumzug unter dem Motto ‚Die Weltausstellung in Chicago‘ mit ca. 200 Personen, 12 Wagen, 80 Pferden und mehreren Musiken angekündigt. Am Umzugstag waren die von auswärts kommenden Eisenbahnzüge sehr stark besetzt. Aus Basel kam ein Extrazug und viele Basler kamen sogar zu Fuss nach Lörrach. Während des Umzugs setzte jedoch starkes Schneetreiben ein und behinderte die Darbietung. Kaleidoskopartig soll die Weltausstellung dargeboten worden sein. Wohl wegen des schlechten Wetters wurde die Wiederholung des Umzuges für den Sonntag darauf angekündigt. Prompt meldete sich das katholische Pfarramt bei der Stadt und äusserte Bedenken, weil es sich um den ersten Fastensonntag handele.Stadt und Bezirksamt hatten jedoch keine Einwendungen, weil der Aufzug des Turnvereins ‚nach keiner Seite das Gepräge eines eigentlichen Fasnachtsumzuges habe‘.

    Der Umzug fand bei prächtigem Wetter statt und hatte wieder eine stattliche Zuschauerkulisse. 1895 stellte der Turnverein unter dem langjährigen Vorsitzenden Joseph Reinhard, der schon den Umzug von 1893 organisiert hatte, wieder einen Fasnachtsumzug auf die Beine unter dem Motto ‚Bilder vom Kriegsschauplatz Japan-China‘. Nach dem Bericht im Oberländer Boten war der Umzug ein voller Erfolg und von bestem Wetter begünstigt. Der Verkehr in der Stadt sei so bedeutend gewesen, dass in verschiedenen Wirtschaften im Freien gewirtet wurde. Der Umzug, ‚wie man ihn in vielen grossen Städten nicht findet‘, sei des guten Besuchs wert gewesen. Es seien prächtige Wagen mit zum Teil riesigen Aufbauten zu sehen gewesen, u.a. Drachen, Götzenbilder, eine Krupp’sche Riesenkanone, ein Glockenwagen, dann Pferdegespanne, Einzelpferde, Fussgruppen aller Art, u. a. japanische Truppen, denen man den ‚preussischen Drill‘ angesehen habe, oder Chinesen, die mehr ‚Irregularität‘ zeigten. Daneben natürlich viele Musiken in entsprechender fernöstlicher Aufmachung und Kleidung. In den Jahren 1897 bis 1907 beschränkt sich die Lörracher Fasnacht auf Veranstaltungen der Vereine in den Sälen, oft verbunden mit Theater- , Musik- oder Gesangsaufführungen – einmal sogar verbunden mit einem Schlachtfest.

    Ab 1908 ist anhand der Anzeigen im Oberbadischen Volksblatt eine Zunahme der fasnächtlichen Veranstaltungen durch Vereine und vermehrt durch die Wirte zu registrieren. 1912 wagte sich der Turnverein wiederum an einen ‚Karnevalsumzug‘ (Fasnachtssonntag, 18. Februar). Prächtige Wagengruppen mit einer Darstellung der künftigen städtische Strassenbahn, des städtischen Volksbades, des Prinzen Karneval und viele Fussgruppen erregten ‚teilweise stürmische Heiterkeit‘. Am 19. Februar 1914 erteilte das Bezirksamt dem Lörracher Verein ‚Hippodrom‘ eine polizeiliche Genehmigung für einen Fasnachtsumzug mit zwei Wagen und Vorreitern, und am 24. Februar wurde der ‚Damenkapelle Lörrach‘ gestattet, am Abend durch die Strassen zu ziehen unter der Auflage, das Musizieren um 21 Uhr zu beenden und keine anstössige Maskerade zu verwenden.

  • Krieg und Nachkriegszeit

    Der Erste Weltkrieg hat eine Unterbrechung des Fasnachtstreibens bewirkt. Nach dem Kriege wurde am 14. Februar 1919 im Oberländer Boten eine Weisung des Badischen Ministeriums des Innern vom 8. Februar 1919 bekanntgemacht, welche das Verbot von Faschingsveranstaltungen unter Hinweis auf die ‚gegenwärtigen Verhältnisse‘ festschrieb. Diese Beschränkungen galten eigentlich bis in die Zeit der nationalsozialistischen Machtergreifung. Nur geringfügige Ausnahmen wurden gestattet.

    1926 wurden die Einschränkungen leicht gelockert – fasnächtliche Veranstaltungen und Maskentragen auf öffentlichen Strassen und Plätzen blieben aber weiterhin untersagt. Ausgenommen wurden nun aber Kinder unter 14 Jahren sowie althergebrachte historische Fasnachtsgebräuche in Gemeinden , wo die Tradition war. Fasnachtsveranstaltungen in geschlossenen Räumen durch Vereine und Gesellschaften wurden wieder erlaubt. Eine eigentliche Fasnacht kam in Lörrach aber nicht mehr auf.

    Eine auf historischen Grundlagen ruhende Fasnacht hat es in Lörrach zwar nicht gegeben, aber die Strassenfasnacht hat Vorläufer gehabt und die Fasnacht im Saal wurde in zahlreichen Lörracher Vereinen und Gesellschaften intensiv gepflegt. Es gibt keinerlei Hinweise, dass irgendeine Gestalt der heutigen Lörracher Fasnacht auf einem fasnachtshistorischen Lörracher Hintergrund beruhe. Unter diesen Gesichtspunkten ist auch das Bemühen einiger Lörracher Persönlichkeiten seit 1935 zu sehen, in Lörrach eine eigenständige Fasnacht ins Leben zu rufen.

  • Die Gründung einer Narrengilde in Lörrach

    Die Narrengilde Lörrach führt das Gründungsjahr 1936 in ihrem Wappen. Dass die Fasnacht in unserer Stadt aber weit älter ist, belegt auch der Umstand, dass bereits Mitte des 19. Jahrhunderts Fasnachtsumzüge in Lörrach dokumentiert sind. Es fehlte aber zu jener Zeit eine spezielle Organisation, die sich um die Ausrichtung einer Lörracher Fasnacht kümmerte. Diese war vielmehr eine Sache einzelner Vereine und geriet deshalb immer wieder für Jahre in Vergessenheit.

    Mit der Gründung der Narrengilde Lörrach auf Initiative des Frisör-Meisters Johann Maier-Muser existierte nun erstmals ein Verein, der sich ausschliesslich um die Organisation einer Lörracher Fasnacht kümmern wollte. Bereits am 24.02.1936 zog ein überwältigender Umzug unter Beteiligung vieler Vereine und Einzelpersonen durch die Strassen unserer Stadt und legte damit den Grundstein für die ‘Erste Lörracher Stroossefasnacht’ nach dem Ersten Weltkrieg.

    Inspiriert durch den Erfolg der ersten Strassenfasnacht nach Jahren der Entbehrung bildeten sich rasch neue ‘Cliquen’, die sich unter dem Dach der neugegründeten Narrengilde zusammenfanden. Heute noch sind die Zundel (Narrenzunft Lörrach), die Ufhabi-Clique Lörrach und die Zigüüner Clique Stetten, alle gegründet im Jahr 1936, tragende Elemente der Lörracher Fasnacht. Auch ältere Vereine schlossen sich der Gilde an, beispielsweise der Stadtspielmannszug Lörrach aus dem Jahr 1903.

    Gemeinsam mit der Breisacher Narrenzunft, der Narrenzunft Freiburg, der Fasnachtszunft Lahr sowie den Narrenzünften Säckingen, Weil am Rhein und Zell im Wiesental gründete die Narrengilde Lörrach 1937 den Verband Oberrheinischer Narrenzünfte (V.O.N.). 1938 stellten sich die Zünfte erstmals an einem gemeinsamen Narrentag in Lörrach der Öffentlichkeit vor. Es muss damals eine ‘runde Sache’ gewesen sein, denn noch heute kann man ‘ganz alte Narren’ von Erzählungen und Anekdoten schwärmen hören.

    Mit dem zweiten Weltkrieg fand die Narretei in unserer Stadt abermals einen jähen Unterbruch. Unmittelbar nach Ende des Krieges fanden sich jedoch einige der alten Narren im Haus des ,bisherigen‘ Zeremonienmeisters heimlich zusammen, um die Fasnacht erneut aufleben zu lassen. Hierbei wurde aber folgende einschneidende Richtungsänderung festgelegt: „Um das Zunftgerechte stärker in Erscheinung treten zu lassen, lege man den Namen ‚Narrengilde‘ ab, und nenne sich fortan Narrenzunft Lörrach“. Nach der Interrimszeit von mehreren Monaten wurde Egon Leible 1947 zum Oberzunftmeister gewählt. In Anbetracht der Skepsis, welche die französische Besatzungsmacht allen Versuchen zur Neuorganisation von Vereinen und Verbänden entgegenbrachte, war dies aber kein leichtes Unterfangen. So ging am 15.01.49 vom Kulturamt des Kreises Lörrach ein Schreiben an die Stadt Lörrach, mit dem diese dazu angewiesen wurde, den Verein (also die Narrenzunft) darauf aufmerksam zu machen, dass eine Gründungsversammlung frühestens am 1.02.49 stattfinden könne, falls vom Gouvernement Militaire bis zum 31.01.49 kein Einspruch erfolgt sei.

    Max Rinkenburger und Egon Leible gelang es schliesslich am 3.02.49 im Brauereihauptausschank Lasser, der damals erstmals nach der Beschlagnahmung durch die Besatzungsmacht als öffentliche Gaststätte wieder zur Verfügung stand, die Lörracher Fasnacht unter dem Namen ,Narrenzunft Lörrach‘ zu gründen. Was vor dem Krieg jäh abgebrochen, musste jetzt neu aufgebaut werden. Der frühere Elferrat konnte aus verschiedenen Gründen nicht mehr wie bisher zusammentreten. Die Ranzengarde und die Zundelschar hatten keine Verbindung mehr und schlussendlich fehlten sämtliche Kostüme, die Lörrachs Narren in den dreissiger Jahren auszeichneten. So wurden junge Lörracher zu Zunftmeistern bestellt. Sie sollten mithelfen, die alte Narretei wieder mit viel Schwung aufleben zu lassen. Egon Leible wurde als Oberzunftmeister bestätigt, Albert Albiez zum Stellvertreter und Franz Leible zum Kassier gewählt. Unter der Leitung von Zunftmeister Hermann Vogt wurden die verbliebenen Zundelkostüme erfasst und eine neue Zundelgruppe aufgebaut. „Von einer Wiederherstellung der damaligen Gildengarde habe man aber Abstand genommen und einer neuen Mädchengruppe den Vorzug gegeben, welche bald die Zunft selbst und die vielen Angehörigen und Zuschauer durch ihre frische Jugend, ihre Anmut und ihre hervorragende Kostümierung eroberte, die Pagen.“(Zitat aus der Chronik von Max Rinkenburger, Jahrgang 1950) Die Ranzengarde wurde als Ranzengarde-Trommler neu formiert.

    Unter dem Eindruck der Paraden während der Kriegs- und NS-Zeit tat sich die französische Besatzungsmacht (bis Herbst ’49)allerdings äusserst schwer mit Blick auf die Strassenfasnacht. Umzüge von Erwachsenen waren zunächst grundsätzlich nicht erlaubt. Am 28.02.1949 lief deshalb ein Kinderumzug durch Lörrach, der faktisch zum ersten Umzug nach dem Krieg avancierte.

    Am 4. und 5.02.1950 war dann das erste öffentliche Auftreten der Narrenzunft Lörrach am Oberrheinischen Narrentag in Zell im Wiesental. Am 20.02.1950 gab es dann wieder einen Kinderumzug in Lörrach sowie den ersten Zunftabend in der Stadthalle. Ebenfalls wurde die Schnäggepost von Max Rinkenburger gegründet, die 1959 redaktionell von dem neu zu der Zunft geholten Hans-Rudi Müller übernommen wurde. Diese wurde 1975 durch eine im Format kleinere Broschüre, den Lörracher Narrenspiegel ersetzt, der allerdings nur einmal erschien. Seit 1999 erscheint in der Vorfasnachtszeit der ‚Lörracher Narrenfahrplan‘. Im Jahre 1951 wurde mit „Nonemol, wer weiss was chunnt“ die erste Losung bekanntgegeben und der erste grosse Umzug am 4.02.1951 durchgeführt. Auch 1952 gab es wieder einen grossen Umzug. 1953 wurde dann unter dem Vorwand des mangelnden Interesses seitens der Bevölkerung der Umzug abgesagt. Kurzerhand stellte die damalige Fätze-Clique Stetten einen eigenen Umzug auf die Beine, der allerdings nur durch Stetten führte. Im Jahr 1954 wurde dann, da die Narrenzunft mit zu viel Terminen und Arbeit belastet war, das Umzugscomité der Narrenzunft Lörrach ins Leben gerufen. Zu ihrem Sprecher wurde Fritz Heinzmann gewählt, der von Hermann Koppmann und Hartwig unterstützt wurde. Mit vertreten in diesem Comité waren jeweils die Cliquenführer. Um den Umzug finanzieren zu können wurden zum erstenmal Plaketten verkauft. 1956 übernahm der Begründer der Lörracher Narrengilde Johann Maier-Muser. die Leitung und Organisation des Umzuges. Im Jahre 1957 waren es dann die Herren Martin, Roser und Sallacher( MAROSA ) und 1958 sowie 1959 die Herren Martin, Roser und Braun ( MAROBRA ). Für die Jahre nach 1960 zeichnete sich dann wiederum eine neue Lösung ab. Unter dem Vorsitz von Hans-Rudi Müller übernahmen die Cliquenvertreter(innen) Walter Traub, Heiner Pfaff, Leo Strittmatter, Dieter Stiefvater und Ella Schaber die Organisation der Umzuges unter dem Namen Vereinigte Lörracher Fasnachtscliquen (Cliquen-Comité).

    Das Jahr 1965 sah dann einen Generationswechsel bei der ‚Narrenzunft Lörrach‘. Hans-Rudi Müller übernahm nun auch das Amt des Oberzunftmeisters und führte fortan die beiden Ämter in Zunft und Cliquen-Comité in Personalunion. Damit verwischte sich die ursprüngliche Aufgabentrennung zusehends.

    Im Jahr 1967 findet der Elfte Oberrheinische Narrentag in Lörrach statt. Er wird gemeinsam von Narrenzunft und Cliquen-Comité Lörrach veranstaltet.

    1981 wird das Cliquen-Comité nach über zwanzig Jahren aufgelöst und die Vereinigung Lörracher Fasnachts-Cliquen (VLFC) als lose Vereinigung mit Hans-Rudi Müller, immer noch Oberzunftmeister der Narrenzunft, als Sprecher ins Leben gerufen. Die Cliquen erhoffen sich, mit dieser Lösung ein stärkeres Gewicht in der Lörracher Fasnacht erlangen zu können.

    Mit dem gleichzeitigen, aus gesundheitlichen Gründen erfolgten Rücktritt von Hans-Rudi Müller als Oberzunftmeister und Sprecher der VLFC wurde eine klare Regelung der Zuständigkeiten zwischen Zunft und VLFC erforderlich. Man einigte sich darauf, die ursprüngliche Aufgabentrennung wiederherzustellen. Die Lörracher Fasnacht wird demnach durch zwei getrennte Säulen getragen. Während sich die Narrenzunft Lörrach ausschliesslich um die ‘Hallen- und Saalfasnacht’ kümmert, fällt die Ausrichtung der Strassenfasnacht in das Aufgabengebiet der VLFC, die sich nun wieder Narrengilde Lörrach nennt und einen eigenständigen Verein bildet. Den Vorsitz als Obergildenmeister ünernimmt Hans Posovszky. Hans-Rudi Müller wird Ehren-Präsident der Lörracher Strassenfasnacht. Sowohl die Narrenzunft Lörrach als auch die Narrengilde Lörrach sind unter dem Namen ‘Lörracher Fasnacht’ im Verband Oberrheinischer Narrenzünfte (V.O.N.) vertreten.

    Die Änderung des Namens von VLFC in ‘Narrengilde Lörrach’ erfolgte vor dem Hintergrund der Gründung der Lörracher Strassenfasnacht durch die Narrengilde im Jahr 1936.

    Mit dem 18. Oberrheinischen Narrentag im Jahr 1991 sollte eigentlich ein weiterer Höhepunkt in der Geschichte der Lörracher Fasnacht gesetzt werden. Nach Ausbruch des Golfkriegs musste die Veranstaltung aber wenige Stunden vor Beginn des ersten Umzugs abgesagt werden – eine Entscheidung, die nicht leicht gefallen ist, aber von allen Lörracher Cliquen und vom V.O.N. solidarisch mitgetragen wurde. Die damalige Stimmungslage liess keine andere Entscheidung zu.

    Im Jahr 1994 wechselt Hans Posovszky von der Spitze der Narrengilde als Zeremonienmeister in das Präsidium des V.O.N.. Für seine Verdienste um die Lörracher Strassenfasnacht wird er zum Ehren-Obergildenmeister ernannt und übernimmt fortan Repräsentationsaufgaben für die Narrengilde Lörrach. Als Nachfolger wird der langjährige Umzugschef Herbert Löschner gewählt. Bis zur Hauptversammlung 1999 führt er die Narrengilde, verzichtet dann aber aus gesundheitlichen Gründen auf eine erneute Kandidatur. Mit ihm treten einige Vorstandsmitglieder von ihren Ämtern zurück. Im Sommer 2000 verstirbt er im Alter von erst 53 Jahren.

    Neuer Obergildenmeister wird Jörg Rosskopf. Gemeinsam mit einer deutlich verjüngten Vorstandsmannschaft wendet man sich der Aufgabe zu, ein neues Konzept für die Strassenfasnacht zu erarbeiten. Ziel ist es, die Attraktivität der Lörracher Fasnacht zu steigern, ohne auf gewachsene Traditionen zu verzichten. Aktive Narren, Zuschauer und Gäste reagieren auf die Vorschläge (neue Umzugsrouten, attraktive Rahmenbedingungen durch Narrendorf, Festzelt und Guggekonzerte) und den Probelauf des Jahres 1999 äusserst positiv. Bereits an der Fasnacht 2000 hat sich dann gezeigt, dass die Lörracher Fasnacht wieder zum Publikumsmagnet für aktive und passive Fasnächtler geworden ist.

  • 2014

(von: Jörg Rosskopf / Klaus Breitenfeld)