Die Entstehung der Narrengilde Lörrach

EINE NARRENGILDE WIRD GEGRÜNDET

Wie vieles im Leben, wird manches durch den Zufall begünstigt. So auch die Gründung der Narrengilde Lörrach. Es war nach der Fasnacht 1935, als der damalige Bürgermeister Reinhard Boos das Frisörgeschäft Maier-Muser besuchte, um sich die Haare schneiden zu lassen. Beide kamen auf die vergangene Fasnacht zu sprechen, die seit dem verschwinden des Narrhalla-Comites weder organisiert war noch auf der Strasse in Form eines Umzuges stattfand. Boos fragte Maier-Muser im Verlaufe des Gesprächs, ob es nicht möglich wäre in Lörrach einen Umzug auf die Beine zu stellen. Dieser bejahte zwar die Frage, stellte aber gleichzeitig fest, dass dies mit enormen Kosten verbunden wäre. Boos gab daraufhin die Zusage, ohne irgendwelche Beschlüsse zu erwirken, dass die Stadt Lörrach einen Zuschuss in Höhe von 500 Reichsmark gewähren würde, falls Maier-Muser es schaffte, einen Umzug auf die Beine zu stellen. So geschah es, dass Maier-Muser am 11.11.35 interessierte Lörracher Bürger ins Bahnhofshotel der Stadt einlud. Sinn dieser Veranstaltung war es, in Lörrach eine organisierte Fasnacht auf die Beine zu stellen und 1936 die erste Strassenfasnacht mit einem Umzug nach dem Weltkrieg von 1914-18 durchzuführen. Um 11.11 Uhr rief Johann Maier-Muser in einem Kostüm a la Kaiser Franz Josef die Fasnacht aus. Andere Fasnachtsbegeisterte schlossen sich an, unter ihnen der bekannte Kunstmaler Adolf Glattacker, der dann auch das Emblem der Narrengilde (den Gildenkopf) und die Figur des Zundels schuf.

Aus den Akten des Lörracher Stadtarchivs ist näheres über die Gründungszeit zu erfahren:
Am 20.Januar 1936 erging ein Schreiben des ‚Elferrats Lörrach‘ an Handwerk, Handel und Industrie sowie an Vereine und Musikabteilungen in Lörrach, worin mitgeteilt wurde, dass am 17. Januar 1936 ein Elferrat und damit eine Narrengilde gegründet worden sei. Mitglieder des Elferrats waren: Johann Maier-Muser (Vorsitzender), Albert Güthlin (Kassier) sowie Max Rinkenburger, Wilhelm Zimmermann, Fritz Wunschel, Karl Führe, Hermann Vogt, Friedrich Jung, Max Muny, Ernst Vomstein und Eugen Jost. Als Beiräte konnte man die Herren: Zökker, Presse, Brändlin, Max Dörflinger, Oskar Dörflinger, Berger, Kabisch, Argast, Kolb, Glünkin und Marquart gewinnen. Die oberste Schirmherrschaft übernahm der damalige Bürgermeister Reinhard Boos.

Zum Gildenkönig (heute Protektor) wurde Karl Maurer bestimmt,der sich Jendy I. nannte.Zu seinem Gildenarr wurde Egon Leible bestimmt. Weiter war dem Schreiben zu entnehmen, dass man am Fasnachtssonntag dem 25.02.36 einen Umzug durchführen wolle. Der Zug solle unter anderem aus Fasnachtswagen bestehen, welche originell und natürlich närrisch sein müssten, ebenso aus Musikformationen und Fussgruppen. Am 24. Januar 1936 berichtete das Oberbadische Volksblatt: ‚Die Lörracher Fasnacht marschiert‘. Der Elferrat habe gute Vorarbeit geleistet für das Gelingen der ‚ersten offiziellen Lörracher Fasnachtsveranstaltung nach dem Kriege‘.

DIE LÖRRACHER FASNACHT ERHÄLT IHRE FORM

Nachdem die Narrengilde gegründet war, bildeten sich rasch auch verschiedene Garden und Cliquen. So sind beispielsweise die Gildengarde, die sich damals aus höheren Bürgerstöchtern unter ihrem Kommantanten Hermann Schäfer zusammenfand sowie die ersten drei Zundel (Thomma, Roth und Müller) zu nennen, die im Hebelschen Zundelheiner ihren Ursprung fanden. Die Zigüner-Clique mit ihrem Zigeunerbaron Fritz Schäfer wurde im Sternen in Stetten gegründet und konnte bereits an der Fasnacht 1936 teilnehmen. Auch die Dällerschlägger aus dem Männerchor Lörrach wurde ins Leben gerufen und andere bereits bestehende Vereine, wie z.B. Stadtmusik und der Spielmannszug, fanden sich zur ersten organisierten Fasnacht ein.

Am Abend des ‚Schmutzige Dunnschdig’ 22.02.36 gab es einen ersten ‚Nachtwandlerumzug‘ (heute Hemliglunggi-Umzug) durch die Strassen der Stadt. Das erste Narrenzeichen, der Lörracher Dällerschlägg, wurde erstmals durchgeführt und auch der Fasnachtsruf ‚Friss’n wäg – dr Schnägg‘ war erstmals zu hören. Der Fasnachtssonntag mit einem gut organisierten Umzug fand Anklang – tausende von Zuschauern seien auf den Beinen gewesen. Sogar die Tumringer, eben erst durch Zwangseingemeindung Lörracher geworden, nahmen mit einem grossen Aufgebot am Umzug teil. Bis heute sind sie ein wichtiger Bestandteil der Lörracher Stassenfasnacht geblieben.

Umfangreicher als heute war zu jener Zeit die Fasnacht in den damals noch zahlreichen Sälen der Gasthäuser. Der Gildenkönig,mit seinen vier Pagen,von denen er immer begleitet wurde,der Gildenarr und der Elferrat machten allen Veranstaltungen einen Besuch und marschierten unter dem Beifall der Gäste ein. Und auch der Fasnachtsdienstag hatte ein volles Programm, angefangen von einem Besuch des Elferrats in Tüllingen, einem ‚Aufmarsch‘ im Hebelpark, einem Besuch im Rathaus beim Schrimherrn und einem Kinderumzug am Nachmittag. Am Abend folgte dann die Verbrennung des ‚Bög‘ auf dem Engelplatz sowie ein Kehrausball in den Sälen des ‚Hirschen‘. Die Lörracher Fasnacht hatte ihre ‚Form‘ gefunden und bis heute weitgehend beibehalten.

Nach der Fasnacht 1936 ist die Stadt bereit gewesen, fortan einen Zuschuss für die Strassenfasnacht zu leisten.

EINE FASNACHT FÜR DAS GANZE MARKGRÄFLERLAND

Nach diesem gelungenen Einstieg in eine ‚eigenständige Fasnacht‘ hatte sich die „Narregilde Lörrach 1936“ für die Fasnacht 1937 noch einiges mehr vorgenommen. Man wollte in Lörrach eine traditionelle Fasnacht für den ganzen Kreis Lörrach aufziehen, wobei die ‚Tiernamen der Gemeinden‘ und sonstige ‚Spottnamen‘ im Vordergrund stehen sollten. Die Bürgermeister der Gemeinden wurden entsprechend zur Mitwirkung aufgefordert und nach Lörrach eingeladen. Am 6. Januar 1937 kamen die Vertreter der Gemeinden schliesslich in Lörrach zusammen, wo sie abends um 19.30 Uhr beim Rathaus begrüsst und anschliessend in feierlichem Umzug in den Lasser-Saal geleitet wurden. In der gemeinsamen Besprechung konnte festgestellt werden, dass für die erste ‚Markgräfler Fasnacht‘, deren Berechtigung man mit einem Bildnis der sogenannten ‚Binzener Thonnerknaben‘ begründete, welches der damalige Denkmalspfleger Julius Wilhelm in einem Basler Archiv endeckt hatte, bereits Anmeldungen aus 37 Orten vorlagen und auch sechs bis sieben Musikzüge zu erwarten seien. Auch die ‚Wiiler Zipfel‘ waren angemeldet.

Zuvor fand am 11.11.1936 bereits die Fasnachtsproklamation statt, zu der sich der Elferrat um 11.11 Uhr in der ‚Gildenstube‘ des Gasthauses Schlüssel zusammengefunden hatte. Alle waren mit der von Adolf Glattacker geschaffenen Künstlerkrawatte angetan. Am Abend des gleichen Tages gab es im Lasser-Saal zudem eine Eröffnungssitzung, an der erstmals auch die neugegründete ‚Ranzengarde‘ in Erscheinung trat, in der sich einige ‚recht stattliche Männer‘ zusammengefunden hatten.Gildenkönig wurde wieder Karl Maurer,der wieder wie im Jahr zuvor Egon Leible zu seinem Gildenarr ernannte.

Am ‚Schmutzige Dunnschdig‘ 4.02.37 standen ein grosser Nachtwandlerumzug und eine festliche Narrensitzung im Hirschen auf dem Programm. Der Nachtwandlerumzug – halb Lörrach sei auf den Beinen gewesen – stellte sich beim Güterbahnhof auf und zog durch die Innenstadt vor den Hirschen. Für die Teilnehmer waren ein weisses Nachthemd und eine weisse Zipfelmütze vorgeschrieben. Vor dem Hirschen wurde der ‚Müpfi‘ verbrannt, jene symbolische Gestalt für Miesmacher und Nörgler und anschliessend in den Hirschenbrunnen geworfen. Zur Narrensitzung in den zum ‚Circus Verrückt‘ umdekorierten Hirschen-Saalmarschierte der Elferrat mit grossem Pomp ein, gefolgt von der 24 Mann starken Ranzengarde in der der ehemaligen Bürgerwehr nachgebildeten Uniform unter ihrem Kommandanten Hermann Theurer. Bei der Festsitzung ging es hoch her. Musiklehrer Herbert Grom dirigierte die Stadtmusik, welche den von Adolf Glattacker verfassten Lörracher Narrenmarsch intonierte. Dann folgte ein humorvolles Programm, unter anderem mit einer Narrenschule unter ‚Lehrer‘ Adolf Glattacker sowie mit Schnitzelbänken und Tanz.

Am Fasnachtssonntag, 7.02.37, dann der Umzug, der unter den gestrengen Augen des Preisgerichts Hermann Strübe-Burde, Notar Dr. Wunder, Denkmalspfleger Julius Wilhelm sowie den Kunstmalern Max Brombacher und Adolf Glattacker durchgeführt wurde. Eine Brombacher Gruppe spielte auf einem Grosswagen die bereits damals von den damaligen Machthabern geforderte Eingemeindung von Brombach in die Stadt Lörrach aus und erhielt dafür den ersten Preis. Unter den Preisträgern waren auch heute noch bekannte Namen zu finden: die Tumringer Güggel (Wiedergründung 1964), die Stettemer Zigüner und die Ufhabi Clique. Da die ‚Tiernamen‘ der einzelnen Gemeinden besonders betont werden sollen entstanden in dieser Zeit auch die noch heute gültigen Fasnachtssymbole unserer Stadt: Güggel für Tumringen, Frösch für Stetten (Wiedergründung 1954), Schnägge für Tüllingen und Lerchen für Lörrach.

ERSTER OBERRHEINISCHER NARRENTAG 1938 IN LÖRRACH

Beim Frühlingsfest der Narrengilde im Hirschen-Saal am 10. April 1937, bei dem auch die Preisverleihung für den Umzug erfolgte, wurde bekanntgegeben, dass sich Lörrach um die Ausrichtung des 1. Oberrheinischen Narrentreffens 1938 bemüht. Die Weichen für dieses Grossereignis wurden nach internen Vorbereitungen am 19. September 1937 gestellt, als sämtliche Zunftmeister der Oberrheinischen Narrenzünfte in Lörrach die Lokalitäten und Plätze besichtigten und ihnen von Zeremonienmeister Hans Uhl das schon fast fertige Programm erläutert wurde. Der Sprung in die Fasnacht 1938 am 11.11.1937 stand denn auch unter dem Zeichen des bevorstehenden Grossereignisses. Fritz Asal wurde zum ‚Gildenkönig Fritz I.‘ und Fritz Ludin zum ‚Gildennarr‘ ausgerufen.

Der 1. Oberrheinische Narrentag am 12. und 13. Februar 1938 war für Lörrach ein grossartiges Ereignis. Da war der Auftakt mit der Zunftmeistertagung am Samstagvormittag in der ‚Gildenburg‘ (Hotel Krone), vor der an beiden Tagen rund um die Uhr eine Wache der Ranzengarde postiert war. Am Samstagabend die festlichen Gildenabende im Hirschen und in der Krone. Festlicher Empfang der Zunft-, Gilden- und Gardenvertreter im Rathaus am Sonntagmorgen und dann am Nachmittag der grosse Umzug mit über 60 Gruppen, Wagen und Musiken, vielbejubelt von den zahlreichen Zuschauern. Im Anschluss an den Umzug gab es weitere Vorführungen der Zünfte und Gruppen auf dem Burghof. Bei der anschliessenden Preisverleihung im Hirschen erhielten die Stettemer Zigüner zusammen mit den Freiburger Kindsköpf einen ersten Preis. Adolf Glattacker, der bei vielen Lörracher Fasnachtsumzügen stets als Einzelmaske auftrat, hatte für diesen Narrentag eine Zeichnung angefertigt. Das Bild zeigt den Lörracher Gildenkönig, wie er einige Narren vom Oberrhein auf dem Burghof willkommen heisst – die mittlere Figur einen Zunftmeister der Schelmenzunft ‚Till Eulenspiegel‘ von Staufen, rechts von ihm ein ‚Flecklehäs‘ der Breisgauer Narrenzunft Freiburg und links davon einen Breisacher Gaukler. Die Ehrenwache hält die ‚Gildengarde Lörrach‘ (später Frauengarde). Links am Markstein sind Lörrachs Wappentiere zu sehen: die Lörracher Lerche, der Stettemer Frosch und der Tumringer Güggel sowie über dem Monogramm des Künstlers die Tüllinger Schnecke.

Die eigentliche Fasnacht wurde nun schon ‚traditionsgemäss‘ mit dem Nachtwandlerumzug am Schmutzige Dunnschdig eingeleitet, wobei erstmals Fackeln und Laternen mitgeführt wurden. Daran schloss sich der Gildenabend im Hirschen an und am Fasnachtssonntag wurde ein Kinderumzug veranstaltet mit noch einigen erhalten gebliebenen Umzugswagen vom Narrentag. Nach dem Umzug fanden auf dem Burghof Aufführungen und Spiele der Kinder statt.

1939: LÖRRACHER ZUNDELTAG

Für die Fasnacht 1939 propagierte die Narrengilde Lörrach für den Fasnachtssonntag 19.2.1939 einen ‚Lörracher Zundeltag‘, um diesen Lörracher Narrentyp in seinem vielfarbigen Kleid in den Vordergrund zu stellen .Am 14.1.1939 wurde Egon Leible zum Zundelkönig (zuvor Gildenkönig) ausgerufen,der Fritz Ludin zu seinem Gildenarr ernannte. Diese letzte Fasnacht vor dem zweiten Weltkrieg stand bereits unter finsteren Vorzeichen. Wenn man die politischen Schlagzeilen in der Presse nachliest, glaubt man, dass üble ‚Narren‘ die echten Narren schon bei weitem übertrumpft haben.

Die Geschichte der Fasnacht in Lörrach

DIE ÄLTESTEN ZEUGNISSE

Im kleinen Dorf Lörrach, um 1420 mit 250 bis 300 Einwohnern, noch 1650 mit kaum mehr als 500, wird bis zur Einführung der Reformation im Jahre 1555 sicher keine bedeutende Fasnacht stattgefunden haben. Und nach der Reformation wurde in den Orten, in denen die neue Religion eingeführt worden war, jegliches Fasnachtstreiben unterdrückt.

Doch ganz fremd muss den ‚Inwohnern‘ des Oberamtes Rötteln und damit auch dem Dorf Lörrach die Fasnacht nicht gewesen sein, denn beim Generallandesarchiv in Karlsruhe gibt es im Aktenbestand des Oberamtes Rötteln-Sausenburg zwei Akten mit dem Betreff ‚Die Abstellung der Tänze und Lastereien an Fasnacht‘ von 1620 bzw. 1657. Also muss sich doch etwas an Fasnachtsbrauchtum aus vorreformatorischer Zeit erhalten haben. Das ist auch nicht verwunderlich, denn die nahe Stadt Basel hat schon immer ‚ihre Fasnacht‘ gehabt. Schliesslich wollten und mussten sich die geplagten Leute einmal im Jahr mit Lästereien unter der Narrenkappe oder mit Maske gegenüber der Obrigkeit Luft machen, feierten doch auch die ‚Herren‘ ihre Fasnacht. Gerade darüber können die Basler Bürger des Mittelalters ein Lied singen.

Ausweislich der Archivalien im Lörracher Stadtarchiv, nämlich im Verkündigungsblatt für die Grossherzoglichen Bezirksämter Lörrach, Müllheim und Schopfheim von 1839 finden wir den ersten schriftlichen Hinweis auf eine Lörracher Fasnacht. Die Casino-Gesellschaft, welche im Jahr 1832 als Lesegesellschaft gegründet wurde, lädt da zu einem Maskenball ein, der am 10. Februar 1839 stattfinden soll. 1840 veranstaltet die Casino-Gesellschaft in der ‚Krone‘ einen weiteren Maskenball. Maskenanzüge von Herrn Levevre aus Basel seien am selben Tage im Lokal erhältlich. Es würde ein Nachtessen à 30 Kreuzer bei trockenem Tisch (also ohne Getränke) bereitgehalten.

Die ersten schriftlichen Zeugnisse über eine Strassenfasnacht stammen dann aus dem Jahr 1860. Auf Sonntag, 18. Februar 1860 lädt das Comité der ‚Narhalla‘ zu einem grossen Maskenzug durch die Strassen der Stadt ein. Zwei Bettelmönche würden eine Sammlung durchführen, deren Erlös für das Lörracher Spital bestimmt ist. Und 1863 lädt die ‚Narhalla‘ zu einer Narrenversammlung in die ‚Lerche‘ ein sowie zu einem grossen Maskenball im ‚Hirschen‘.

Diese Zeugnisse von ersten Lörracher Fasnachtsveranstaltungen sind vielleicht nur zufällig, wenn man bedenkt, dass es erst seit 1845 eine Lörracher Tageszeitung gibt (Oberländer Bote), die sicher nicht in allen Haushaltungen gehalten wurde. Möglicherweise sind solche Anlässe seinerzeit noch durch den städtischen Amtsboten ausgestellt worden und daher nicht schwarz auf weiss erhalten. Das lässt vermuten, dass Fasnachtstreiben auch schon vor 1832, dem Gründungsjahr der Casino-Gesellschaft, stattgefunden haben dürfte.

1866 – DER ERSTE ÜBERLIEFERTE MASKENZUG

Am 11. Februar 1866 fand ein grösserer Maskenzug statt, der in einer Zeichnung festgehalten ist. Auf der Zeichnung sind mehrere Fuss- und Wagengruppen dargestellt, u.a. Feuerwehr, Schützen, Bäcker und Markgräflerinnen. Ein Wagen zeigt ein Schild ‚Reise im Oberland‘. Dies könnte auch das Motto dieses ersten überlieferten Maskenzuges gewesen sein. Der Umzug wird angeführt von einem Reiter in der Kleidung der Badischen Revolution von 1848. Bei dieser Revolution, die vielen in Lörrach noch in reger Erinnerung gewesen sein dürfte, spielte die Stadt eine wichtige Rolle. Schliesslich war es hier, wo Gustav Struve im September 1848 die Deutsche Republik ausgerufen hatte und Lörrach zur provisorischen Hauptstadt machte. Das Häs der Gildenmeisterinnen und Gildenmeister der Narrengilde Lörrach im Stile der Revolution von 1848 soll an diesen ersten überlieferten Maskenzug der Stadt anknüpfen und an die revolutionäre demokratische Tradition unserer Stadt erinnern.

1875 lesen wir wieder von einem Kinderball im ‚Hirschen‘, der im Anschluss an den Fasnachtsumzug stattfinden soll. Im Jahr 1885 lädt eine ‚Provisorische Narhalla Lörrach‘ zu einer Comitéwahl auf den 7. Februar in die ‚Krone‘ ein – ‚me hent emol e Fasnacht g’ha …‘ Ziel: es sollte auf Fasnacht wieder etwas geben. Nach Zeitungsberichten sind dazu 267 Narren im Saal erschienen und zwei Narren vor dem Saal. Vermutlich war der Saal überfüllt und es kam zu keiner Wahl. Einen Tag später wurden aber drei Narren in das Comité gewählt und nach entsprechenden Vorbereitungen wurde bereits eine Woche später, am Fasnachtssonntag, 15. Februar 1885, ab zwei Uhr nachmittags ein Maskenzug durchgeführt. Ein Jahr später tritt die Narhalla nicht mehr in Erscheinung. Die Lörracher Fasnacht hat sich dann wohl auf die Fasnachtskränzchen und Maskenbälle der etablierten Vereine beschränkt.

DER TURNVEREIN LÖRRACH ÜBERNIMMT DIE STRASSENFASNACHT

1891 tritt der Turnverein Lörrach am Fasnachtssonntag, 8. Februar, mit einem Maskenumzug unter dem Motto ‚Emin-Pascha-Afrika-Expedition‘ in Erscheinung. Der Erlös ging zu Gunsten des Turnhallen-Baufonds. Eine ‚Negertruppe‘, Matrosen, Musiken, eine Kamelattrappe, Kanonen und ein Ozeandampfer seien zu sehen gewesen. Alle Fenster am Umzugsweg seien mit Damen garniert gewesen und an vielen Orten seien primitive Tribünen aufgebaut worden, wie in einer Grossstadt. 1892 dann wieder nur die üblichen Fasnachtsveranstaltungen der Vereine in den zahlreichen Sälen. Am Fasnachtssonntag, 12. Februar 1893, wurde vom Turnverein Lörrach dann wieder ein grosser Maskenumzug unter dem Motto ‚Die Weltausstellung in Chicago‘ mit ca. 200 Personen, 12 Wagen, 80 Pferden und mehreren Musiken angekündigt. Am Umzugstag waren die von auswärts kommenden Eisenbahnzüge sehr stark besetzt. Aus Basel kam ein Extrazug und viele Basler kamen sogar zu Fuss nach Lörrach. Während des Umzugs setzte jedoch starkes Schneetreiben ein und behinderte die Darbietung. Kaleidoskopartig soll die Weltausstellung dargeboten worden sein. Wohl wegen des schlechten Wetters wurde die Wiederholung des Umzuges für den Sonntag darauf angekündigt. Prompt meldete sich das katholische Pfarramt bei der Stadt und äusserte Bedenken, weil es sich um den ersten Fastensonntag handele.Stadt und Bezirksamt hatten jedoch keine Einwendungen, weil der Aufzug des Turnvereins ‚nach keiner Seite das Gepräge eines eigentlichen Fasnachtsumzuges habe‘.

Der Umzug fand bei prächtigem Wetter statt und hatte wieder eine stattliche Zuschauerkulisse. 1895 stellte der Turnverein unter dem langjährigen Vorsitzenden Joseph Reinhard, der schon den Umzug von 1893 organisiert hatte, wieder einen Fasnachtsumzug auf die Beine unter dem Motto ‚Bilder vom Kriegsschauplatz Japan-China‘. Nach dem Bericht im Oberländer Boten war der Umzug ein voller Erfolg und von bestem Wetter begünstigt. Der Verkehr in der Stadt sei so bedeutend gewesen, dass in verschiedenen Wirtschaften im Freien gewirtet wurde. Der Umzug, ‚wie man ihn in vielen grossen Städten nicht findet‘, sei des guten Besuchs wert gewesen. Es seien prächtige Wagen mit zum Teil riesigen Aufbauten zu sehen gewesen, u.a. Drachen, Götzenbilder, eine Krupp’sche Riesenkanone, ein Glockenwagen, dann Pferdegespanne, Einzelpferde, Fussgruppen aller Art, u. a. japanische Truppen, denen man den ‚preussischen Drill‘ angesehen habe, oder Chinesen, die mehr ‚Irregularität‘ zeigten. Daneben natürlich viele Musiken in entsprechender fernöstlicher Aufmachung und Kleidung. In den Jahren 1897 bis 1907 beschränkt sich die Lörracher Fasnacht auf Veranstaltungen der Vereine in den Sälen, oft verbunden mit Theater- , Musik- oder Gesangsaufführungen – einmal sogar verbunden mit einem Schlachtfest.

Ab 1908 ist anhand der Anzeigen im Oberbadischen Volksblatt eine Zunahme der fasnächtlichen Veranstaltungen durch Vereine und vermehrt durch die Wirte zu registrieren. 1912 wagte sich der Turnverein wiederum an einen ‚Karnevalsumzug‘ (Fasnachtssonntag, 18. Februar). Prächtige Wagengruppen mit einer Darstellung der künftigen städtische Strassenbahn, des städtischen Volksbades, des Prinzen Karneval und viele Fussgruppen erregten ‚teilweise stürmische Heiterkeit‘. Am 19. Februar 1914 erteilte das Bezirksamt dem Lörracher Verein ‚Hippodrom‘ eine polizeiliche Genehmigung für einen Fasnachtsumzug mit zwei Wagen und Vorreitern, und am 24. Februar wurde der ‚Damenkapelle Lörrach‘ gestattet, am Abend durch die Strassen zu ziehen unter der Auflage, das Musizieren um 21 Uhr zu beenden und keine anstössige Maskerade zu verwenden.

KRIEG UND NACHKRIEGSZEIT

Der Erste Weltkrieg hat eine Unterbrechung des Fasnachtstreibens bewirkt. Nach dem Kriege wurde am 14. Februar 1919 im Oberländer Boten eine Weisung des Badischen Ministeriums des Innern vom 8. Februar 1919 bekanntgemacht, welche das Verbot von Faschingsveranstaltungen unter Hinweis auf die ‚gegenwärtigen Verhältnisse‘ festschrieb. Diese Beschränkungen galten eigentlich bis in die Zeit der nationalsozialistischen Machtergreifung. Nur geringfügige Ausnahmen wurden gestattet.

1926 wurden die Einschränkungen leicht gelockert – fasnächtliche Veranstaltungen und Maskentragen auf öffentlichen Strassen und Plätzen blieben aber weiterhin untersagt. Ausgenommen wurden nun aber Kinder unter 14 Jahren sowie althergebrachte historische Fasnachtsgebräuche in Gemeinden , wo die Tradition war. Fasnachtsveranstaltungen in geschlossenen Räumen durch Vereine und Gesellschaften wurden wieder erlaubt. Eine eigentliche Fasnacht kam in Lörrach aber nicht mehr auf.

Eine auf historischen Grundlagen ruhende Fasnacht hat es in Lörrach zwar nicht gegeben, aber die Strassenfasnacht hat Vorläufer gehabt und die Fasnacht im Saal wurde in zahlreichen Lörracher Vereinen und Gesellschaften intensiv gepflegt. Es gibt keinerlei Hinweise, dass irgendeine Gestalt der heutigen Lörracher Fasnacht auf einem fasnachtshistorischen Lörracher Hintergrund beruhe. Unter diesen Gesichtspunkten ist auch das Bemühen einiger Lörracher Persönlichkeiten seit 1935 zu sehen, in Lörrach eine eigenständige Fasnacht ins Leben zu rufen.

DIE GRÜNDUNG EINER NARRENGILDE IN LÖRRACH

Die Narrengilde Lörrach führt das Gründungsjahr 1936 in ihrem Wappen. Dass die Fasnacht in unserer Stadt aber weit älter ist, belegt auch der Umstand, dass bereits Mitte des 19. Jahrhunderts Fasnachtsumzüge in Lörrach dokumentiert sind. Es fehlte aber zu jener Zeit eine spezielle Organisation, die sich um die Ausrichtung einer Lörracher Fasnacht kümmerte. Diese war vielmehr eine Sache einzelner Vereine und geriet deshalb immer wieder für Jahre in Vergessenheit.

Mit der Gründung der Narrengilde Lörrach auf Initiative des Frisör-Meisters Johann Maier-Muser existierte nun erstmals ein Verein, der sich ausschliesslich um die Organisation einer Lörracher Fasnacht kümmern wollte. Bereits am 24.02.1936 zog ein überwältigender Umzug unter Beteiligung vieler Vereine und Einzelpersonen durch die Strassen unserer Stadt und legte damit den Grundstein für die ‘Erste Lörracher Stroossefasnacht’ nach dem Ersten Weltkrieg.

Inspiriert durch den Erfolg der ersten Strassenfasnacht nach Jahren der Entbehrung bildeten sich rasch neue ‘Cliquen’, die sich unter dem Dach der neugegründeten Narrengilde zusammenfanden. Heute noch sind die Zundel (Narrenzunft Lörrach), die Ufhabi-Clique Lörrach und die Zigüüner Clique Stetten, alle gegründet im Jahr 1936, tragende Elemente der Lörracher Fasnacht. Auch ältere Vereine schlossen sich der Gilde an, beispielsweise der Stadtspielmannszug Lörrach aus dem Jahr 1903.

Gemeinsam mit der Breisacher Narrenzunft, der Narrenzunft Freiburg, der Fasnachtszunft Lahr sowie den Narrenzünften Säckingen, Weil am Rhein und Zell im Wiesental gründete die Narrengilde Lörrach 1937 den Verband Oberrheinischer Narrenzünfte (V.O.N.). 1938 stellten sich die Zünfte erstmals an einem gemeinsamen Narrentag in Lörrach der Öffentlichkeit vor. Es muss damals eine ‘runde Sache’ gewesen sein, denn noch heute kann man ‘ganz alte Narren’ von Erzählungen und Anekdoten schwärmen hören.

Mit dem zweiten Weltkrieg fand die Narretei in unserer Stadt abermals einen jähen Unterbruch. Unmittelbar nach Ende des Krieges fanden sich jedoch einige der alten Narren im Haus des ,bisherigen‘ Zeremonienmeisters heimlich zusammen, um die Fasnacht erneut aufleben zu lassen. Hierbei wurde aber folgende einschneidende Richtungsänderung festgelegt: „Um das Zunftgerechte stärker in Erscheinung treten zu lassen, lege man den Namen ‚Narrengilde‘ ab, und nenne sich fortan Narrenzunft Lörrach“. Nach der Interrimszeit von mehreren Monaten wurde Egon Leible 1947 zum Oberzunftmeister gewählt. In Anbetracht der Skepsis, welche die französische Besatzungsmacht allen Versuchen zur Neuorganisation von Vereinen und Verbänden entgegenbrachte, war dies aber kein leichtes Unterfangen. So ging am 15.01.49 vom Kulturamt des Kreises Lörrach ein Schreiben an die Stadt Lörrach, mit dem diese dazu angewiesen wurde, den Verein (also die Narrenzunft) darauf aufmerksam zu machen, dass eine Gründungsversammlung frühestens am 1.02.49 stattfinden könne, falls vom Gouvernement Militaire bis zum 31.01.49 kein Einspruch erfolgt sei.

Max Rinkenburger und Egon Leible gelang es schliesslich am 3.02.49 im Brauereihauptausschank Lasser, der damals erstmals nach der Beschlagnahmung durch die Besatzungsmacht als öffentliche Gaststätte wieder zur Verfügung stand, die Lörracher Fasnacht unter dem Namen ,Narrenzunft Lörrach‘ zu gründen. Was vor dem Krieg jäh abgebrochen, musste jetzt neu aufgebaut werden. Der frühere Elferrat konnte aus verschiedenen Gründen nicht mehr wie bisher zusammentreten. Die Ranzengarde und die Zundelschar hatten keine Verbindung mehr und schlussendlich fehlten sämtliche Kostüme, die Lörrachs Narren in den dreissiger Jahren auszeichneten. So wurden junge Lörracher zu Zunftmeistern bestellt. Sie sollten mithelfen, die alte Narretei wieder mit viel Schwung aufleben zu lassen. Egon Leible wurde als Oberzunftmeister bestätigt, Albert Albiez zum Stellvertreter und Franz Leible zum Kassier gewählt. Unter der Leitung von Zunftmeister Hermann Vogt wurden die verbliebenen Zundelkostüme erfasst und eine neue Zundelgruppe aufgebaut. „Von einer Wiederherstellung der damaligen Gildengarde habe man aber Abstand genommen und einer neuen Mädchengruppe den Vorzug gegeben, welche bald die Zunft selbst und die vielen Angehörigen und Zuschauer durch ihre frische Jugend, ihre Anmut und ihre hervorragende Kostümierung eroberte, die Pagen.“(Zitat aus der Chronik von Max Rinkenburger, Jahrgang 1950) Die Ranzengarde wurde als Ranzengarde-Trommler neu formiert.

Unter dem Eindruck der Paraden während der Kriegs- und NS-Zeit tat sich die französische Besatzungsmacht (bis Herbst ’49)allerdings äusserst schwer mit Blick auf die Strassenfasnacht. Umzüge von Erwachsenen waren zunächst grundsätzlich nicht erlaubt. Am 28.02.1949 lief deshalb ein Kinderumzug durch Lörrach, der faktisch zum ersten Umzug nach dem Krieg avancierte.

Am 4. und 5.02.1950 war dann das erste öffentliche Auftreten der Narrenzunft Lörrach am Oberrheinischen Narrentag in Zell im Wiesental. Am 20.02.1950 gab es dann wieder einen Kinderumzug in Lörrach sowie den ersten Zunftabend in der Stadthalle. Ebenfalls wurde die Schnäggepost von Max Rinkenburger gegründet, die 1959 redaktionell von dem neu zu der Zunft geholten Hans-Rudi Müller übernommen wurde. Diese wurde 1975 durch eine im Format kleinere Broschüre, den Lörracher Narrenspiegel ersetzt, der allerdings nur einmal erschien. Seit 1999 erscheint in der Vorfasnachtszeit der ‚Lörracher Narrenfahrplan‘. Im Jahre 1951 wurde mit „Nonemol, wer weiss was chunnt“ die erste Losung bekanntgegeben und der erste grosse Umzug am 4.02.1951 durchgeführt. Auch 1952 gab es wieder einen grossen Umzug. 1953 wurde dann unter dem Vorwand des mangelnden Interesses seitens der Bevölkerung der Umzug abgesagt. Kurzerhand stellte die damalige Fätze-Clique Stetten einen eigenen Umzug auf die Beine, der allerdings nur durch Stetten führte. Im Jahr 1954 wurde dann, da die Narrenzunft mit zu viel Terminen und Arbeit belastet war, das Umzugscomité der Narrenzunft Lörrach ins Leben gerufen. Zu ihrem Sprecher wurde Fritz Heinzmann gewählt, der von Hermann Koppmann und Hartwig unterstützt wurde. Mit vertreten in diesem Comité waren jeweils die Cliquenführer. Um den Umzug finanzieren zu können wurden zum erstenmal Plaketten verkauft. 1956 übernahm der Begründer der Lörracher Narrengilde Johann Maier-Muser. die Leitung und Organisation des Umzuges. Im Jahre 1957 waren es dann die Herren Martin, Roser und Sallacher( MAROSA ) und 1958 sowie 1959 die Herren Martin, Roser und Braun ( MAROBRA ). Für die Jahre nach 1960 zeichnete sich dann wiederum eine neue Lösung ab. Unter dem Vorsitz von Hans-Rudi Müller übernahmen die Cliquenvertreter(innen) Walter Traub, Heiner Pfaff, Leo Strittmatter, Dieter Stiefvater und Ella Schaber die Organisation der Umzuges unter dem Namen Vereinigte Lörracher Fasnachtscliquen (Cliquen-Comité).

Das Jahr 1965 sah dann einen Generationswechsel bei der ‚Narrenzunft Lörrach‘. Hans-Rudi Müller übernahm nun auch das Amt des Oberzunftmeisters und führte fortan die beiden Ämter in Zunft und Cliquen-Comité in Personalunion. Damit verwischte sich die ursprüngliche Aufgabentrennung zusehends.

Im Jahr 1967 findet der Elfte Oberrheinische Narrentag in Lörrach statt. Er wird gemeinsam von Narrenzunft und Cliquen-Comité Lörrach veranstaltet.

1981 wird das Cliquen-Comité nach über zwanzig Jahren aufgelöst und die Vereinigung Lörracher Fasnachts-Cliquen (VLFC) als lose Vereinigung mit Hans-Rudi Müller, immer noch Oberzunftmeister der Narrenzunft, als Sprecher ins Leben gerufen. Die Cliquen erhoffen sich, mit dieser Lösung ein stärkeres Gewicht in der Lörracher Fasnacht erlangen zu können.

Mit dem gleichzeitigen, aus gesundheitlichen Gründen erfolgten Rücktritt von Hans-Rudi Müller als Oberzunftmeister und Sprecher der VLFC wurde eine klare Regelung der Zuständigkeiten zwischen Zunft und VLFC erforderlich. Man einigte sich darauf, die ursprüngliche Aufgabentrennung wiederherzustellen. Die Lörracher Fasnacht wird demnach durch zwei getrennte Säulen getragen. Während sich die Narrenzunft Lörrach ausschliesslich um die ‘Hallen- und Saalfasnacht’ kümmert, fällt die Ausrichtung der Strassenfasnacht in das Aufgabengebiet der VLFC, die sich nun wieder Narrengilde Lörrach nennt und einen eigenständigen Verein bildet. Den Vorsitz als Obergildenmeister ünernimmt Hans Posovszky. Hans-Rudi Müller wird Ehren-Präsident der Lörracher Strassenfasnacht. Sowohl die Narrenzunft Lörrach als auch die Narrengilde Lörrach sind unter dem Namen ‘Lörracher Fasnacht’ im Verband Oberrheinischer Narrenzünfte (V.O.N.) vertreten.

Die Änderung des Namens von VLFC in ‘Narrengilde Lörrach’ erfolgte vor dem Hintergrund der Gründung der Lörracher Strassenfasnacht durch die Narrengilde im Jahr 1936.

Mit dem 18. Oberrheinischen Narrentag im Jahr 1991 sollte eigentlich ein weiterer Höhepunkt in der Geschichte der Lörracher Fasnacht gesetzt werden. Nach Ausbruch des Golfkriegs musste die Veranstaltung aber wenige Stunden vor Beginn des ersten Umzugs abgesagt werden – eine Entscheidung, die nicht leicht gefallen ist, aber von allen Lörracher Cliquen und vom V.O.N. solidarisch mitgetragen wurde. Die damalige Stimmungslage liess keine andere Entscheidung zu.

Im Jahr 1994 wechselt Hans Posovszky von der Spitze der Narrengilde als Zeremonienmeister in das Präsidium des V.O.N.. Für seine Verdienste um die Lörracher Strassenfasnacht wird er zum Ehren-Obergildenmeister ernannt und übernimmt fortan Repräsentationsaufgaben für die Narrengilde Lörrach. Als Nachfolger wird der langjährige Umzugschef Herbert Löschner gewählt. Bis zur Hauptversammlung 1999 führt er die Narrengilde, verzichtet dann aber aus gesundheitlichen Gründen auf eine erneute Kandidatur. Mit ihm treten einige Vorstandsmitglieder von ihren Ämtern zurück. Im Sommer 2000 verstirbt er im Alter von erst 53 Jahren.

Neuer Obergildenmeister wird Jörg Rosskopf. Gemeinsam mit einer deutlich verjüngten Vorstandsmannschaft wendet man sich der Aufgabe zu, ein neues Konzept für die Strassenfasnacht zu erarbeiten. Ziel ist es, die Attraktivität der Lörracher Fasnacht zu steigern, ohne auf gewachsene Traditionen zu verzichten. Aktive Narren, Zuschauer und Gäste reagieren auf die Vorschläge (neue Umzugsrouten, attraktive Rahmenbedingungen durch Narrendorf, Festzelt und Guggekonzerte) und den Probelauf des Jahres 1999 äusserst positiv. Bereits an der Fasnacht 2000 hat sich dann gezeigt, dass die Lörracher Fasnacht wieder zum Publikumsmagnet für aktive und passive Fasnächtler geworden ist.

Verschwundene Cliquen in Lörrach

Cliquen und Musiken

Cliquen und Musiken kommen und gehen. Nur wenigen Gruppierungen ist ein wirklich dauerhafter Bestand vergönnt. Auch dies ist ein Charakteristikum der Fasnacht in unserer Stadt.

Neben den noch heute aktiven Cliquen und Musiken der Narrengilde Lörrach 1936 e.V. sind jene Gruppierungen zu nennen, die sich zwischenzeitlich aufgelöst haben und auf eine Wiedergründung warten. Teilweise befinden sich auch wirklich ‚alte Cliquen‘, d.h. ehemalige Wahrzeichen der Lörracher Fasnacht unter den ‚verschwundenen Cliquen‘ (im Fettdruck).

…verschwunden aus der Zeit vor dem Krieg (1936-39)

Gildengarde
Ranzengarde
Schmalgarde

… verschwunden in der Zeit des Cliquen-Comités und zuvor (1950-1981)

D‘ Ewig Volle
Sänkloch-Nueli
Alt-Wiiber-Clique
Mäggi-Schema-Clique
Zuchthüsler
TUS-Spielmannszug
Feuerwehr-Spielmannszug
Armehüsler
Armlüüchter
D’Ehemalige
Teufels Clique
Vespa-Club
Bundes-Daggel
Buzechnübler
Suurampfle
Drochehüüler
Chlöpfschittle-Clique
Stettemer Füürteufel
Trompeten-Band
Chnüschnäpperi-Clique
Suppehüener
Canal-Waggis
Teufelsbruet
Fätze-Clique
Neger-Clique
Tumringer-Clique
Bürgerwehr
Ranzegarde-Trommler

… verschwunden in der Zeit der Vereinigung Lörracher Fasnachtscliquen VLFC (1981-1987)

Landsknecht-Spielmannszug
Radsport Haagen
Schnägge-Clique

… verschwunden in der Zeit seit der Wiedergründung der Narrengilde Lörrach (seit 1987)

Frauengarde
S’Nodlechüssi
Dällerschlägger
Quaggeli Clique
Chäller Lotzi
Chlainschdi Häxe
Dülliger Räbschlurbi
CB-Club
GM Blechschränzer
Chrüter-Häxe